Die häufigsten Fehler bei Plakatwerbung

Plakatwerbung könnte so einfach sein…

…wären da nicht diese halbgaren Briefings, zig Korrekturschleifen, die vielen Mitsprecher und Hineinredner oder einfach zu wenig Zeit, die einem erfolgreichem Plakatmotiv wieder und wieder im Wege stehen. Zugegeben, nicht alle Motive gehen immer in die Hose. Ich habe mich mal umgesehen und aktuell einige unschöne aber auch schöne Beispiele gefunden:

Fangen wir mit einem eigentlich ganz einfachen Motiv an. Krombacher. Auf den ersten Blick könnte man denken „alles gut“. Sieht man doch groß das Logo und die dazu gehörige Flasche. „Alkoholfrei“ ist noch mit zu erkennen, alles klar. Hier handelt es sich wohl um eine Auffrischung der Erinnerung, dass es dieses Bier auch ohne Alk gibt. Oder doch nicht? Beim näheren Betrachten werden aus den 3 unscheinbar im Hintergrund als kleine Bildfüller dargestellten Flaschen doch nicht etwa die neuen Sorten, die es bekannt zu machen gilt? Nun denn, keine gute Platzierung. Generischer Auftritt, die interessanten Botschaften nicht eindeutig identifizierbar. Schade eigentlich, schmeckt bestimmt gut…

 

JO! Das ist doch schon wesentlich besser. Guter Erinnerungseffekt, eindeutiges Branding. Aber, was ist denn da mit der Lesbarkeit los. Naja, man kann es sich noch herleiten. So sei es mal verziehen….

 

 

 

 

 

 Jetzt kommt mein absoluter Favorit im Ranking der Worst Practice Beispiele! Sorry liebes Vita-Limo-Team, aber das geht  hier so gar nicht. Was hat sich der Künstler dabei wohl gedacht? Es ist auf jeden Fall erstmal schön bunt und sommerlich. Aber was will mir denn nun das Motiv sagen? Jegliche Botschaft ist weder les- noch erkennbar. Der Brüller ist der Produkt-USP, welcher direkt mit gelber Schrift auf orangem Untergrund gesetzt wurde. Echt jetzt? War da der Praktikant dran? (´tschuldigung liebe Praktikanten, wahrscheinlich hättet ihr das sogar besser gemacht.) Ich löse mal auf, was zu lesen wäre: „Extra Frucht-Kick“. Ich bin mir auch nicht ganz so sicher, was der Subline-Text bedeuten soll. Gut, offensichtlich bin ich nicht die Zielgruppe. Dennoch, ein sperriges Wortspiel ist nun mal auf einem Plakatmotiv nicht gut lesbar. Für alle, die auch die Subline nicht lesen können: „Wenn Zwei sich nicht streiten, freut sich der Dritte“. Wenn man diesen Text in eine lesbare Schriftgröße transferieren würde, bräuchte man dafür wahrscheinlich 3-4 Zeilen Damit wäre das halbe Plakat dann mit Text zugezimmert. Darunter dann noch die weitere Botschaft (by the way auch nicht lesbar): „seid tatendurstig“. Ich möchte nicht spekulieren, was die Marke inhaltlich rüber bringen will. Ich möchte aber anmerken, dass die 3 Botschaften scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Drei Aussagen, schwerelos im Raum. Aber ist eigentlich auch egal, kann man doch eh nicht lesen…

Mal zur Abwechslung eine Wohltat für mein Auge. Produktneueinführung ohne Schnick-Schnack inszeniert. Branding passt, call to action sauber auf dem Punkt. Dieses Motiv zeigt deutlich die Funktionsweise des Out of Home-Kanals. Einfach zu verstehende Botschaft, schnell zu erfassen und klarer Absender, dann läuft´s auch mit Plakat. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Erinnerungswerte sowie die Bekanntheit hier steil nach oben gehen.

 

 

 

 

Zurück zur traurigen Wahrheit im Plakat-Alltag. Ich habe etwas Zeit gebraucht, ehe ich den Absender erkennen konnte. Vielleicht habe ich da kein geübtes Auge. Die Headline jedenfalls zieht mich top in den Bann. Das Bildmotiv passt auch super. Aber was ist denn bitte mit dem Rest? So viel Information in prima kleiner Schrift. Hilft natürlich. Liebe Sparkasse, manchmal ist weniger mehr. Ihr habt super angefangen, aber auch ganz stark nachgelassen. „Für den Rest gönn´dir dein Jugendgirokonto.“ steht da geschrieben. Das ganze einfach nur groß in die Mitte im rechten Quadranten, wäre doch eine gute Lösung gewesen, oder? Warum müßt ihr noch den Beipackzettel mit abdrucken? Über den Störer mit was auch immer „3 x 100,- €“ und den Rest gibt es auf einer Landingpage, die sich keiner merken kann, will ich erst gar nicht reden. Das mit dem merken ist auch egal, kann man eh nicht lesen. Oder war das ein wichtiger call to action? Vielleicht sollte das Plakat auch nur das Angebot für die junge Generation bekannt machen. Beim nächsten Mal vielleicht das Angebot größer schreiben, dann klappt´s auch mit dem Rest.

Hier mal ein Beispiel wie es hätte laufen können. Okay, auch hier steht viel drauf, was kein Mensch lesen kann. Aber der Unterschied ist, die wichtigen Details für die Botschaft kann man dennoch erfassen. Absender oben rechts, Zielgruppe mittig, Preis unten rechts. Was braucht es mehr?

 

 

 

 

 

Ein weiteres gutes Beispiel habe ich hier. Fokussiert auf 1 Aussage. Marktführer! BÄM! Da gibt es aus meiner Sicht nichts zu meckern. Das Kleingedruckte sieht aus wie eine fette Unterstreichung. Finde ich aus grafischer Sicht ganz gut gelöst. An dieser Stelle möchte ich keine Diskussion aufmachen, ob der rechtliche Muss-Text in dieser Form abgebildet werden sollte…

 

 

 

 

Bleiben wir noch ein Weilchen bei den guten Umsetzungen. Eine wirklich gelungene Adaption der TV-Werbung. Auch wenn im Moment die Umsetzungen auf Instagram etwas in die Hose gingen, bei den Plakaten ist alles tutti sauber.

 

 

 

 

Weiter geht´s mit Glashäger. Auch im regionalen Bereich gibt es gut gemachte Plakatmotive. Sogar die Adaption auf 4/1 ist aus meiner Sicht gelungen.

 

 

 

 

Das eine Motiv-Adaption auf eine 4/1-Größe es oftmals in sich hat, zeigt die gefundene Zigarettenwerbung. Das Thema Sichtbarkeit der Botschaft und Lesbarkeit ist für Fußgänger nicht ganz so tragisch, für Autofahrer aber no way.

 

 

 

 

Das kommt mir doch irgendwie bekannt vor! Mich beschleicht doch glatt das Gefühl, dass in der Wasserbranche fleißig abgekupfert wird. Portraitierte Zielgruppe zeigt enthusiastisch Wasserflasche in die Kamera… Ich fahre an dieser Litfass-Säule sehr oft vorbei und mir ist es bis dato nicht gelungen die Subline und den Footer zu entziffern. Wahrscheinlich nicht so wichtig…

 

 

 

MMMHHH, hier wurde definitiv nicht kopiert. Wäre aber eventuell besser gewesen. Die hellen Farben verschwimmen so dermaßen, dass der Störer im oberen rechten Bereich nicht wahrnehmbar ist. Das Motiv ist enorm vollgestopft, da bleibt der Blick nirgends hängen. Die Botschaft erfassen – kaum möglich. Vielleicht hat ja der ein oder andere Fußgänger trotzdem Lust sich mit der Werbung intensiv zu beschäftigen. Wer weiß…

 

 

Nun mein letztes Fundstück. Ich habe mich doch sehr gewundert. Da wurde einmal alles richtig gemacht und beim nächsten Motiv, schwupps wieder das leidige Thema mit der Lesbarkeit. Mir fällt es zunehmend schwer doch immer wieder auf die selben Fehler hinzuweisen. Ist ja auch für den Leser irgendwann langweilig.

Mein Fazit aus dieser Übung: Hopfen und Malz sind noch nicht ganz verloren. Es gibt sie noch, diejenigen die es verstehen eine Werbebotschaft zu senden, die ankommen kann. Ob man das alles inhaltlich gut findet oder nicht, ist nicht Gegenstand meiner Betrachtung. Ein Plakat hat nunmal einen begrenzten Raum. Umso wichtiger ist es, sich im Vorfeld klar zu machen, was ich meiner Zielgruppe erzählen möchte. Soll sie sich an etwas erinnern, soll sie aufmerksam auf etwas Neues werden oder zu einer bestimmten Aktion aufgerufen werden. Es geht nunmal nur eine Botschaft! Leider wird doch immer wieder versucht mehrere Themen aufzugreifen. Die eierlegende Wollmichsau eben. Weil vielleicht nur einmal die Werbung geschaltet werden kann aufgrund mangelndem Budget. Da ist man schon gewillt, alles in dieses eine Werbemotiv zu packen. Ich habe allerdings noch kein Plakatmotiv gesehen, bei dem dieser Weg funktionierte. Deshalb mein dringender Aufruf. Haltet euch an diese 3 einfachen Garanten: Fokussierte Botschaft, optimale Lesbarkeit und ein schnell erfaßbares Bildmotiv. Dann ist schon ein wichtiger Grundstein für ein erfolgreiches Plakatmotiv gelegt. Plakatwerbung könnte so einfach sein…

Ganz einfach weitersagen!

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